Über Weihnachtslieder

Entstehung
Weihnachten ist neben Ostern das höchste Fest im Kirchenjahr, daher basieren viele Weihnachtslieder auf altem Kirchenliedgut. Aber auch im außerliturgischen Bereich sind schon seit dem Spätmittelalter Lieder rund um die Geburt Christi nachgewiesen. Besonders beliebt waren in der Winterzeit geistliche Volksschauspiele, welche biblische Themen zum Inhalt hatten: das Adam und Eva Gspiel, die Komedi vom Jüngsten Gericht oder das Spiel von der Geburt Christi. Die Handlung wurde von Liedern begleitet, welche zu den ältesten Volksweisen zählen, die wir kennen. Ähnlich wie bei den Krippenfiguren hat man auch in die Lieder über die Heilige Familie oder die Hirten die eigenen Lebensumstände hineinprojiziert, sodass diese Lieder Informationen von Weltanschauung und Lebensweise jener Zeit beinhalten, in der sie entstanden. Dies gilt besonders für die Hirtenlieder, die oftmals im Dialekt verfasst und ganz dem alpenländischen Musikstil verhaftet sind.

Weihnachtslieder lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen, je nachdem auf welchen Teil des Weihnachtsfestkreises sie sich beziehen. So gibt es neben Adventliedern, Lieder zur Verkündigung Mariens durch den Erzengel Gabriel; eine kleine Gruppe von Liedern besingt den Gang Mariens zu ihrer Base Elisabeth; weitaus größer ist die Gruppe von Liedern, die das Ereignis der Geburt im Stall von Bethlehem zum Inhalt hat, unzählbar aber sind die Hirtenlieder. Nachdem die Engel dem Steffl, Jogl, Veitl, und wie die Hirten immer heißen mögen, die Frohbotschaft verkündet haben, brechen sie mit Kas und Butter bepackt und unter dem fröhlichen Spiel von Trompete, Klarinettl, Hackbrettl und dem Sumsasa zur Krippe auf. Der ausgelassenen Fröhlichkeit dieser Art von Liedern stehen die beschaulichen Wiegelieder gegenüber, die schon in ihrem 6/8 Rhythmus und in ihren sanften Dreiklangszerlegungen die Wiegebewegung zum Ausdruck bringen. Schließlich sind auch noch die Dreikönigslieder und die Neujahrslieder zu den Liedern des Weihnachtsfestkreises zu zählen. Die überwiegende Mehrheit der uns heute bekannten Weihnachtslieder entstanden im 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Entwicklung
Lieder sind jedoch auch integrierende Bestandteile des weihnachtlichen Brauchtums. In Ansingebräuchen zur Herbergssuche, beim Anklöpfeln-, zu Neujahr oder Heiliger Drei Könige werden von umherziehenden Gruppen passende Lieder dargebracht. Dazu werden Glückwünsche oder Segnungen ausgesprochen, als Dank gibt es meist Speis und Trank oder kleine Geldspenden. Oft beruhen derartige Umzugsbräuche auf Bettelgängen von Kindern oder für sozial unterbemittelter Schichten, die sich als Heischebräuche manifestierten. Heute sind diese Bräuche vielerorts zu großen Schaubräuchen mutiert, Perchten- oder Krampusumzüge finden mitunter in großen Geschäftszentren als Brauchevents im Techno Sound statt. Christkindlmärkte und Punschhütten zählen auch eher zu den lauten und geschäftigen Orten im Advent.

Schon im 19. Jahrhundert wandelte sich Weihnachten zum bürgerlich-familiären Fest, mit sinkendem religiösem Schwerpunkt. Gerade von der Stadtbevölkerung wurden profane Lieder erschaffen, die das Thema Advent- und Winterszeit zum Inhalt haben und den Kindern das Warten auf Weihnachten erleichtern sollen. Mit ihnen wurde das Christkind, der Weihnachtsmann, der Adventkalender und - kranz fester Bestandteil der Weihnachtszeit. Dies rückte die früher dominante und in zahlreichen Gegenden bis zum Kunstobjekt ausgefertigte Position der Krippe in den Hintergrund.

Waren Lieder früher nur in bestimmten Regionen verbreitet, so wurden mit dem Aufkommen kostengünstiger Druckmöglichkeiten und später Tonträger österreichische Weihnachtslieder bald im gesamten deutschen Raum und auf der ganzen Welt in allen Sprachen gebräuchlich. Die moderne Unterhaltungsindustrie brachte eine Vielzahl von meist englischsprachigen Liedern wie White Christmas, Jingle Bells oder Rudolf the Red Nose Rentir hervor, die heute zum Standardrepertoire jedes Rundfunks, jeder Supermarktbeschallung und damit auch zu unserem Weihnachtsrepertoire gehören. Trotzdem ist Weihnachten ein Fest der Familie geblieben. Brauchtümliche Termine werden immer wieder belebt, wie etwa das Schneiden von Barbara Zweigen, das Selberbinden des Adventkranzes oder das gemeinsame Singen vor dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum gehören in unsere Weihnachtszeit.