Audio Player
angehende KindergartenpädagogInnen, diverse ReferentInnen



Das Projekt „Heimat bist du voller Töne…“ wird vom Wiener Volksliedwerk speziell für angehende KindergartenpädagogInnen der Wiener BAKIPs angeboten. Dabei sollen diese mit volkskulturellen Inhalten vertraut werden, um diese in ihrer späteren Tätigkeit mit Kindern ab bereits drei Jahren einzubringen. Ziel ist dabei in Folge ein Bewusstsein für ein interkulturelles Miteinander zu entwickeln.
Im Rahmen eines ein- bzw. zweitägigen Workshops erlernen und erleben die PädagogInnen verschiedene Inhalte und Methoden für die praktische Arbeit mit Kindern verschiedener Kulturkreise: Neben Liedern werden Reime, Sagen und Geschichten sowie Musik, Bewegung bzw. Tänze aus dem eigenen und anderen Kulturkreisen erforscht und ausprobiert. Dabei wird das in Schulen und Kindergärten beliebte Lied „O du lieber Augustin“ kennen gelernt, das hier von Kindern der Musik- und Singschule der Stadt Wien zu hören ist.
Das im Workshop gesammelte Wissen bietet den PädagogInnen in ihrer Arbeit die Möglichkeit über spielerisches Musizieren, Bewegen und Tanzen verschiedene Kulturkreise zu erschließen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, Unterschiede zu überbrücken und wechselseitige Einflüsse der Kulturen bewusst zu machen. Diese Ansätze werden nachhaltig dazu beitragen die kulturelle Vielfalt zu schätzen und Berührungsängste und Vorurteile bereits im frühen Kindesalter abzubauen.
Weiters erhalten die PädagogInnen grundlegende Informationen zum interkulturellen Lernen, Organisationshilfen für Ausflüge in Wien, Feste und Feierlichkeiten sowie den Unterrichtsbehelf „Volksmusik im Alten und Neuen Wien“. Dieser beinhaltet neben den im Workshop kennen gelernten Wienspezifischen Liedern, Tänzen, Themen etc. weiterführende Materialien, Texte, Noten mit Begleitung, Quellennachweise und Animationen.
„O du lieber Augustin" ist ein altes, im ganzen deutschen Sprachraum bekanntes, Tanzlied, dessen Melodie bereits 1670 am Kölner Karneval gesungen worden sein soll.
Das Lied handelt von Augustin Marx oder Marx Augustin (1643 - 1705), einem Wiener Dudelsackpfeifer und Bänkelsänger, der nach einer durchzechten Nacht in die Pestgrube fiel und dort bis zum Morgen schlief. Wundersamerweise überlebte er diese Nacht dank des genossenen Alkohols und zog umher, um davon zu berichten und die Leute damit zu unterhalten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um eine Legende handelt, denn das Lied tauchte in Wien erst um 1800 auf und erfuhr unzählige Bearbeitungen als Tanzmusik, Opernparodie, für Klavier und für das Theater. Doch nicht nur in Wien sondern in ganz Europa wurde das Augustinlied zeitgleich musikalisch verarbeitet, daher könnte es von Sachsen nach Wien gekommen sein, wo es dann dem wienerischen Sprachgebrauch angepasst wurde. Die Pestlegende und das Lied bestanden lange Zeit nebeneinander, ohne in Zusammenhang gesetzt zu werden.
Erst der Wiener Sagensammler Moritz Bermann verband die beiden Teile 1865 und fortan wurde das Lied dem Lieben Augustin zugeschrieben, der in der Pestgrube landete. Die Beliebtheit des Augustinlieds ist dadurch dokumentiert, dass es unter anderem in Film, Operette, Kabarett, Kammermusik, Komödie, Theater und Singspiel vorkommt bzw. dass der Augustin als Namensgeber und Schutzpatron für Zeitschriften und Zeitungen dient - bis in die heutige Zeit hinein.
Seit dem Ersten Weltkrieg wird dieses Lied im Salzkammergut als Abschluss einer Veranstaltung im Zusammenhang mit den „Drei Schleunigen" gesungen. Das heißt, nach dem dritten Durchspiel des Schleunigen wird die Augustinweise in gedehnter Version als Kehraus eingebaut.
In Kindergärten und Schulen stellt die Handlung des Liedes heute noch eine beliebte Erzählung dar und das Lied wird gerne gesungen. Hier handelt es sich um eine Aufnahme der Kinder der Musik- und Singschule der Stadt Wien, welche 2008 anlässlich des 70. Jubiläums der Schule mit rund 1000 Mitwirkenden im Großen Saal des Wiener Konzerthauses ein aufwendiges Programm zum Besten gaben.
Audio Player
117 SchülerInnen, 9 Lehrpersonen



Anlässlich des Europäischen Jahres 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung begaben sich die SchülerInnen der Musikmittelschule Götzis mittels der Eigenproduktion eines Musicals auf die Spuren der „Schwabenkinder“.
Seit dem 17. Jahrhundert zogen alljährlich im Frühjahr Kinder armer Bergbauernfamilien aus Vorarlberg, Tirol und der Schweiz zur Arbeit nach Oberschwaben. Auf einem Kindermarkt in Ravensburg wurden die sechs- bis fünfzehnjährigen Mädchen und Buben als SaisonsarbeiterInnen an oberschwäbische Bauern vermittelt. Der Titel des Musicals leitet sich von der gängigen Frage am Sklavenmarkt in Ravensburg ab: „Was koscht des Kind?“ Auf den Bauernhöfen hüteten sie das Vieh, halfen im Stall, bei der Ernte und im Haushalt. Sie waren dort völlig auf sich alleine gestellt, großteils Heimweh, Arbeitsüberlastung und Misshandlungen ausgesetzt. Im Herbst kehrten die „Schwabenkinder“ mit etwas Bargeld und neuer Kleidung in ihre Heimat zurück. Auf diese Weise trugen sie bis in die 1930er zum Lebensunterhalt ihrer Eltern und Geschwister bei.
Die „Schwabengängerei“ mit ihren Licht- und Schattenseiten diente als Stoffgrundlage für das Musical. In den Unterrichtsfächern Geschichte und Religion wurde das Thema historisch bearbeitet, Armut und Ausgrenzung sowie Solidarität und Kinderarbeit in Vergangenheit und Gegenwart begreifbar gemacht. In den musischen Fächern, im Chor und Schulorchester wurde die emotionalen Stimmungen der „Schwabengängerei“ aufgegriffen, Themen wie Glaube und Hoffnung, Heimweh und Angst, liebevolle Aufnahme aber auch Begegnungen mit Gewalt im Musical verarbeitet.
Die Proben der SchülerInnen dauerten von Jänner bis Mai. Dabei lernten sie unter anderem dieses alemannische Volkslied „I Muetters Stübele“, das Armut und Betteln in den Strophen verarbeitet. Hier singt der Viergesang der Hauptschule Egg im Bregenzerwald. Prägend für das Musical war auch die Einübung der verschiedenen Dialekte, die im Stück vorkommen, vorarlbergerisch, tirolerisch und schwäbisch. Besonders die Einbeziehung von Interviews der letzten noch lebenden Vorarlberger "Schwabenkinder" machte die Aufführungen zu einem unmittelbaren Erlebnis.
Bei diesem Lied handelt es sich um ein alemannisches Volkslied das zur Gattung der Bettlerlieder zählt. Neben seiner Bekanntheit im alemannisch-sprachigen Raum erfreut es sich großer Beliebtheit in ganz Österreich, vor allem in Vorarlberg, das der Sprachgruppe der alemannischen Dialekte angehört.
Der Verfasser des Liedes ist unbekannt. Veröffentlicht wurde es bereits 1908 im Zupfgeigenhansl durch Hans Breuer. Als Mitglied der Wandervogelbewegung sammelte er auf gemeinsamen Fahrten Volkslieder, die infolge im Liederbuch publiziert und durch die Verwendung in der Bewegung weite Verbreitung erlangten. Die romantisierende, der Natur zugewandte, Jugendbewegung wies damals auch deutschnationale Züge auf. Singen, Musizieren und Tanzen zählten zu den wesentlichen Elementen ihrer Freizeitgestaltung. Vor allem das deutsche Volkslied erfuhr eine besondere Aufwertung.
Noch stärker jedoch wurden das Volkslied und die gesamte Volkskultur von den Nationalsozialisten vereinnahmt und für ihre Zwecke instrumentalisiert, insbesondere sollte damit die Stärkung der Volksgemeinschaft vorangetrieben werden. Dieses Lied findet sich daher auch im 1942 publizierten Liederbuch „Hellau!“, im Kapitel „Heimatlieder“ wieder. Es sollte für die Soldaten an der Front eine emotionale Verbindung zu ihrer Heimat schaffen und den Kämpfergeist stärken, wie sich dem Vorwort entnehmen lässt: „So soll nun dies Buch viel Freude bereiten! Und Freude schafft wiederum Kraft. Diese seelische Kraft aber soll mithelfen, unserem kämpfenden Volke den Endsieg zu erringen.“
Interessanterweise taucht das Lied in einer ideologisch ganz anders ausgerichteten Jugendbewegung der 1968er auf. 1975 dichtete Walter Mossmann das Lied in ein Protestlied gegen den Bau diverser Atomkraftwerke im Raum Basel, Südbaden und dem Elsass um. Es wurde im Liederbuch „Anderi Lieder. Von den geringen Leuten ihren Legenden und Träumen, ihrer Not und ihren Aufständen.“ publiziert.
Ganz im Gegensatz zu den ausgrenzenden und völkischen Weltanschauungen des Nationalsozialismus wurde das Bettellied 2011 im Rahmen eines „Mit allen Sinnen“ - Schulprojektes „Was koscht des Kind ... auf den Spuren der Schwabenkinder“ von der Mittelschule Götzis (Vorarlberg) aufgegriffen (im Bild zu sehen). Das Projekt richtete sich gegen Armut und soziale Ausgrenzung, in Vergangenheit und Gegenwart.
Noch heute ist das Lied in vielen Schulliederbüchern vertreten, um diese beiden Themen im Schulunterricht zu thematisieren. Hier singt daher der Viergesang der Hauptschule Egg im Bregenzerwald.
85 SchülerInnen und Kindergartenkinder, 1 Referentin



Bereits seit dem Schuljahr 2006/2007 wurden an der Volksschule Markt Allhau und infolge im Kindergarten sowie der Neuen Mittelschule Volksmusikklassen gegründet. Alle Kinder kommen seither einmal wöchentlich in den Genuss einer zusätzlichen Sing-, Tanz- und Musizierstunde mit einer Referentin des Burgenländischen Volksliedwerkes. Auf dem Programm stehen Singtänze, Kindervolkstänze, Bewegungslieder, rhythmische Übungen, traditionelle Kinderspiele mit Melodien, Reime und Spiele – mithilfe derer die Kinder in vielen Bereichen gefördert werden. So wird etwa die Lern- und Merkfähigkeit durch das auswendig lernen der Stücke gestärkt. Die gesamte Literatur wird ohne Unterstützung von CDs oder Instrumenten einstudiert, um Gelerntes unabhängig von jeglichen technischen oder sonstigen Hilfsmitteln umsetzen zu können. Inzwischen hat sich aber auch eine eigene „Banda“ formiert, um die Stücke selbst begleiten zu können.
Die Volksmusikklassen lernen im Zuge dessen auch das Scherzlied „Insa Bruida Veidl“ kennen, das die Geschichte vom Veidl erzählt, der gerne ein Reiter werden möchte. Im Arbeitsblatt wird die musikalische Erarbeitung des Liedes dargestellt. Neben der Förderung der Gemeinschaft und der Persönlichkeit werden motorische Fähigkeiten trainiert. Im Kehrvers „Reit, Veidl, reit, da Türk is niama weit“ können im Sachunterricht Bezüge zu den historischen Ereignissen der Türkenkriege aufgearbeitet werden.
Die Noten und Tonaufnahme sind im didaktischen Lehrbuch „Kinderlieder aus dem Burgenland“ zu finden, das im Rahmen eines „Mit allen Sinnen Projektes“ der VS Rattersdorf-Liebing 2011 vom Burgenländischen Volksliedwerk herausgegeben wurde. In der Salzburger Ton- und Notenvariante des Liedes wird der Veidl durch den Hansl ausgetauscht und im Kehrvers verschwindet der Bezug zu den historischen Ereignissen völlig, es heißt nun „Reit, mein Hansl reit! Djaeha, djaeha, djaeha, reit, mein Hansl, reit!“. Das bedeutet, der Text kann mit jedem beliebigen Kindernamen gesungen werden.
Das Scherzlied „Insa Bruida Veidl“ ist heute in verschiedenen Überlieferungen erhalten, die sich musikalisch, aber auch inhaltlich voneinander unterscheiden. So hinterlässt die aus Ödenburg / Burgenland überlieferte Version des Liedes mit ihrem Kehrvers „Reit, Veidl, reit, da Türk is niama weit!“ einen Hinweis auf die historischen Umstände, in denen das Lied entstanden sein könnte: die Türkenbelagerung 1529 bzw. 1683. Thomas Hochradner vermutet in diesem Zusammenhang sogar, dass sich das Soldatenlied „Der Soldat im Türkenkriege“ vielleicht in „Insa Bruada Veidl“ erhalten habe. Liedmodifikationen dieser Art sind durchaus üblich; verblasst der historische Bezug zu einem Ereignis, wird das Sujet diversen Verwandlungen unterzogen, bis ein vielleicht gänzlich neues Lied entstanden ist und der ursprüngliche Themenkreis kaum oder gar nicht mehr festzumachen ist. Oder, es verschwindet gänzlich aus dem Repertoire.
Als Beispiel einer weiterführenden Sujetwandlung des Liedes „Insa Bruida Veidl“ dient die Salzburger Version, betitelt mit „Unser Bua, der Hansl“, die sich melodisch und auch textlich zwar von der burgenländischen unterscheidet, jedoch auf eine enge Verwandtschaft hindeutet. In Salzburg ist „der Veidl“ nun „der Hansl“ geworden, der so gern ein Reiter werden möchte. In beiden Fällen steht die Mutter zur Seite, die ihrem Sohn mit Hilfe eines Besenstiels ein Pferd bastelt. Bei den weiteren Utensilien, die der angehende Reiter benötigt und den darauf folgenden Lösungsansätzen seitens der Mutter kommen Unterschiede auf. In der Salzburger Variante ist der Bezug zu den historischen Ereignissen völlig verschwunden.
Die Noten und Tonaufnahme sind dem didaktischen Lehrbuch „Kinderlieder aus dem Burgenland“ entnommen, das im Rahmen eines „Mit allen Sinnen“ Projektes der VS Rattersdorf-Liebing 2011 vom Burgenländischen Volksliedwerk herausgegeben wurde. Die zweite Variante stammt aus den „Salzburger Liederblättern“, die vom Salzburger Volksliedwerk herausgegeben wurden. Auf der begleitenden CD „Bigga, Bogga, Besenstiel“ ist „Unser Bua, der Hansl“ gesungen und instrumental begleitet von SchülerInnen der Volksschulen Hüttschlag zu hören.
Literatur: Bezug „Unser Bruida Veidl“ zu historischen Türkenkriegen
Audio Player
35 SchülerInnen, 2 Lehrpersonen, 3 ReferentInnen



Am Schulbeginn 2008/09 trat die Volksschule Bernstein an das Burgenländische Volksliedwerk mit dem Wunsch heran, ein Weihnachtsspiel aufzuführen. Daraus entwickelte sich ein „Mit allen Sinnen“ Projekt, bei dem die SchülerInnen innerhalb von zwei Monaten eine Hirtenkantate für SolistInnen, Kinderchor, SprecherInnen, SchauspielerInnen und Instrumentalensemble einstudierten. Ziel dabei war es, weniger bekannte burgenländische Advent- und Weihnachtslieder kennen zu lernen, um diese den Eltern und Bekannten vorzuführen. Die Publikation „O Wunder groß“, eine Sammlung solcher Literatur von Sepp Gmasz, diente als Grundlage. Die zu sehende Zeichnung ist diesem Liederheft entnommen, das durch Zeichnungen der beiden Klienten Vera Striegl und Sandro Pezetta der Förderwerkstätte „Rettet das Kind“ gestaltet wurde.
Karin Ritter schrieb ein einfaches, kindgerechtes Schauspiel, angelehnt an die Tradition der weihnachtlichen Christ – Geburt Spiele, von denen es im Burgenland etliche Aufzeichnungen gibt. Da an der Volksschule Bernstein einige SchülerInnen bereits ein Instrument lernten, richtete Ralf Schöck, ebenfalls vom Burgenländischen Volksliedwerk, die Lieder für ein Ensemble bestehend aus Geige, Blockflöte, Gitarre und Klangstäbe ein.
Inzwischen wurde die Hirtenkantate von vier weiteren Volksschulen einstudiert und aufgeführt. Da in jeder Schule andere Instrumente zur Verfügung standen, richtete Ralf Schöck mehrere instrumentale Fassungen ein, angepasst an die Möglichkeiten der jeweiligen Schule.
Dieses kirchliche Wiegenlied zählt zu den Liedern zum „Kindlwiegen“. Der Brauch des „Kindlwiegens“ ist seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Vorwiegend in Frauenklöstern wurde die Figur des Krippenkindes bei der Andacht in der Kirche symbolisch in den Schlaf gewogen. Das Wiegen bedeutete für viele Nonnen wohl auch eine Ersatzhandlung für die gelobte Kinderlosigkeit. Begleitet wurde dieses mit Gesang. Der Brauch ist zunehmend in Vergessenheit geraten, während die Lieder heute noch gerne gesungen werden.
Das Lied "Schlaf Jesulein schlaf" wurde, mit leichten Abweichungen, schon vielfach aufgezeichnet und veröffentlicht. Diese schriftliche Aufzeichnung stammt aus dem Jahre 1937 von Karl M. Klier aus Apetlon im Burgenland. 2005 erschien sie im Burgenländischen Weihnachtsliederbuch „O Wunder“ von Sepp Gmasz. Für die Gestaltung des Buches konnte er Sandro Pezetta und Vera Striegl zwei Mitglieder der Förderwerkstätte von „Rettet das Kind Burgenland" gewinnen.
Das Tonbeispiel stammt von 2007. Es singen die beiden LeiterInnen des Burgenländischen Volksliedwerks Karin Ritter und Sepp Gmasz.
Audio Player
92 Kinder (3-6 Jahre), 10 ErzieherInnen, HelferInnen und 1 Sprachtrainerin, 1 Referentin: Kindertanz, -gesang und –musik



Aufgrund der multikulturellen Zusammensetzung - 94 Kindern aus 21 Nationen - wählte der Kindergarten Krausstraße in Linz „Interkulturelles Lernen mit Schwerpunkt Sprache“ als Leitthema für das Jahr 2009/10.
Die aus unterschiedlichen sozialen Milieus mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Prägungen kommenden Kinder sollten mit Eintritt in die Schule gleichberechtigt, weltoffen, kulturell aufgeschlossen, solidarisch und verantwortungsbewusst sein, so das Ziel der PädagogInnen. Eine Herausforderung dabei stellten die deutschen Sprachkenntnisse dar, die bei vielen Kindern – bei Eintritt in den Kindergarten – kaum vorhanden waren. Ein Brückenbau zur Sprache sowie zur sozialen Integration sollte mittels Musik und Bewegung passieren, mit dem Projekt „Rund um die Welt – Tanzen mit den Jüngsten“.
An je einem Vormittag pro Woche über vier Monate fand im Kindergarten mit einer Referentin ein spielerisches Miteinander mit Musik, Gesang, Bewegung und Tanz statt. Mithilfe eines großen Teddybären Namens Fridolin wurden anfängliche Berührungsängste und Hemmungen spielerisch überwunden. Dabei wurde unter anderem das Lied „Wulle Wulle Gänschen“ kennen gelernt, das hier von einem Kinderchor gesungen wird und auf der Musikkassette aus dem Jahr 1991 „Kinderparty – Kinderlieder“ der Bella Musica Edition zu finden ist.
Das musikalische Projekt beinhaltete ebenso Kreisspiele, Klatschspiele, Tanzspiele und alle Arten von Bewegungen zu Musik aus aller Welt. Wichtig bei dieser interkulturellen Reise war der vielseitige Einsatz von Orff-Instrumenten zur rhythmischen Begleitung.
Höhepunkt stellte ein großes Sommerfest dar, mit der Präsentation durch Kinder und einem Buffet aus 21 Ländern, bei dem die Eltern und Großeltern mithalfen.
Das Kinderlied „Wulle Wulle Gänschen“, auch bekannt unter dem Titel „Frau Schnatterin“ ist ein Kreis- und Bewegungsspiel, das vor allem von kleinen Kindern im Kindergartenalter gerne gespielt wird.
Im Rahmen eines 2009/10 durchgeführten „Mit allen Sinnen“ Projektes mit dem Titel „Rund um die Welt – Tanzen mit den Jüngsten“ lernten die Kinder im multikulturellen Kindergarten Krausstraße in Linz dieses Stück kennen. Etwaige gegenseitige Berührungsängste oder Hemmungen sollten mit Hilfe von Musik, Bewegung und Tanz abgelegt werden. Eine Begegnung und Verständigung basierte vor allem auf nonverbaler Kommunikation bzw. wie der Zusatztitel anmerkt „Verständigung durch Bewegung, wo es sprachlich nicht möglich ist“.
Die Auseinandersetzung mit bzw. das aktive Tanzen von verschiedenen Tänzen aus aller Welt leistet – vor allem durch ihre Einbindung in den schulischen Bereich, aber auch in Kindergärten, etwa durch diverse Workshops und Projekte, und unter Berücksichtigung aller hiesigen ethnischen Gruppen – einen großen Beitrag zur Integration. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund zweiter, dritter Generation haben oft weder kulturelle Anbindung zum Mutterland noch zu ihrer gegenwärtigen Heimat. Sie fühlen sich an beiden Orten fremd und werden auch als solches wahrgenommen. Nicht selten leiden diese Kinder an ihrer unterentwickelten kulturellen Identität, derer es aber bedürfe, um erst erfolgreiche Integration – ohne traumatische Identitätsverluste – zu erreichen. Hinsichtlich dieser Problematik bergen „Mit allen Sinnen“ Projekte wie „Rund um die Welt. Tanzen mit den Jüngsten“ großes Potential in sich: oftmals stellen sie die erste Möglichkeit für die Kinder dar in engeren Kontakt mit der Kultur des Elternlandes sowie der des Heimatlandes zu treten und in ihrem Rahmen Aufmerksamkeit und Wertschätzung der eigenen bzw. fremden Kultur gegenüber zu schenken sowie von Anderen geschenkt zu bekommen.
Das Tanzlied „Wulle Wulle Gänschen“ eignet sich besonders gut dafür: Bereits textlich wird den Kindern vermittelt, dass die „Frau Schnatterin“ alle ihre Kindergänse gern hat, ungeachtet ihres Aussehens – „… ihr seit meine Kinder … und du meine graue, und du meine blaue, und du mit dem Wuschelkopf, und du mit dem langen Zopf, und du schwarzer Peter…“. Zudem wird die aktive Inklusion aller Kinder durch das abwechselnde Rollenspiel der „Frau Schnatterin“ gefördert.
Das Tonbeispiel wurde der 1991 erschienenen Musikkassette „Kinderparty - Kinderlieder“ der Bella Musica Edition entnommen. Es ist ein Kinderchor mit instrumentaler Begleitung zu hören. Die Illustration stammt aus dem Liederbuch „Die schönsten Lieder Österreichs“ von Hartmann Goertz und Gerlinde Haid aus dem Jahr 1979.
21 SchülerInnen, 3 Lehrpersonen, Integrationsverein „Kristall“ Hallein, Eltern der Kinder nichtdeutscher Muttersprache als ExpertInnen



Die Idee zu diesem interkulturellen, fächerübergreifenden Projekt entstand anlässlich des 2008 ausgerufenen europäischen Jahres zum Interkulturellen Dialog sowie der Zusammensetzung der Klasse 2b: Einige Eltern der SchülerInnen kommen ursprünglich aus anderen Herkunftsländern als Österreich bzw. gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an.
Aus der kulturellen Vielfalt schöpfend setzten sich die SchülerInnen mit den Weihnachtsbräuchen im Land Salzburg sowie in anderen Ländern auseinander. Als ExpertInnen wurden jeweils die Eltern der SchülerInnen und der Integrationsverein „Kristall“ Hallein in die Schule eingeladen. Diese stellten ihr „Heimatland“ vor, erzählten von den weihnachtlichen Bräuchen und schilderten insbesondere wie in der Familie der Heilige Abend bzw. Weihnachten gefeiert wird. Neben diesem unmittelbaren Zugang, wurden die Kinder mit Keksen, Kuchen oder Süßigkeiten verwöhnt, die in den jeweiligen Kulturen zumeist nur zur Weihnachtszeit zubereitet werden.
Beginnend mit den Weihnachts- und Adventbräuchen in Finnland, ging es nach Kroatien, Frankreich und Deutschland. Beim Besuch der Eltern mit indischen und türkischen Migrationshintergrund wurde ein Besuch im Tempel und in der Moschee angeschlossen, die einzelnen Religionsbekenntnisse vorgestellt und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Christentum herausgearbeitet.
Im Islam wurden beispielsweise auch die beiden höchsten Feste, das Opferfest (arab. Eid al-Adha, türk. Qurban-Bayram), das zur Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka gefeiert wird und das Zuckerfest (Eid al-Fitr-Fest, türk. Scheker-Bayram), Abschluss des Fastenmonats Ramadan, besprochen. Im Hinduismus sind die großen Festtage an die Jahreszeiten geknüpft, so etwa das Holi (Frühlingsfest), Navarartri (Fest der neun Nächte) und Divali (Lichterfest). Im Buddhismus gelten als wichtigste Festtage die Geburt Buddhas, seine Erleuchtung und der Tod Buddhas.
Die Reise endete bei den weihnachtlichen Bräuchen in Salzburg, die gemeinsam recherchiert wurden. Zudem wurde ein traditionelles Hirtenspiel mit musikalischer Umrahmung eingeübt, das vor Weihnachten aufgeführt wurde. Ein besonderer Höhepunkt dabei war das Lied „Stille Nacht“, das in den verschiedenen Sprachen gesungen wurde und hier von den Grazer Turmbläsern zu hören ist.
Dieses weltbekannte Weihnachtslied wurde 1816 von Joseph Mohr in Mariapfarr im Lungau in Form eines Gedichts getextet und zwei Jahre später von Franz Xaver Gruber in Arnsdorf (Lamprechtshausen) vertont. Im selben Jahr 1818 kam es zum ersten Mal in der am Bild (Projektbezogene Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Stille-Nacht-Gesellschaft) dargestellten St. Nikolaus Kirche in Oberndorf bei Salzburg zur Aufführung. Heute ist das Lied auf der ganzen Welt in vielen Sprachen als Lied für den heiligen Abend mit 3 Strophen bekannt.
Ursprünglich war das Lied sechsstrophig geschrieben für 2 Solostimmen samt Chor und Gitarrenbegleitung. Es fand schon bei der Uraufführung bei der Bevölkerung Gefallen. An Hand autographischer Aufzeichnungen kamen im Laufe der Jahre Abschriften mit Melodievarianten und neuen Besetzungsformen hinzu. Eine davon entstand 1845, gekennzeichnet durch das Gruber Autograph V (siehe Handschrift, projektbezogene Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Stille-Nacht-Gesellschaft).
Gespielt wird das Lied hier von den Grazer Turmbläsern, 2 Trompeten, 1 Horn und 1 Posaune, aufgezeichnet auf der CD Stille Nacht heilige Nacht.
Neben dieser verbreiteten und beliebten Form des Liedes gibt es noch eine andere Version, das so genannte „Hirten Stille Nacht“. „Stille Nacht, heilige Nacht, wir bringen dem Kindlein ein Opfer dar.“, so der Liedanfang. Gerlinde Haid zeichnete es erstmals 1976 im Rahmen der Flachgau-Feldforschung auf. Vorgesungen wurde das Lied vom Pfarrer Andreas Radauer von Seekirchen und seiner Schwester Hanni Dürager, welche es in Kindheitsjahren von ihrer Großmutter erlernten und bei Neujahrswünschen vortrugen. Zu finden ist diese Version auf der CD mit Feldforschungsaufnahmen von Gerlinde und Hans Haid mit dem Titel Owa Diandl - Cara mamma; musica alpina III & IV, Volksmusik aus den Alpen herausgegeben vom Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie und Vita Alpina-Alpenakademie-Arunda 1999.
Noten und Text in verschiedenen Sprachen (Blatt 1)
Noten mit 6 Strophen (Blatt 2)
Tonbeispiel Hirten Stille Nacht






