„Volksmusikland Lernen“ bietet Anregungen, Ideen und Methoden musikalischer Volkskulturvermittlung in Schulen, für Privatpersonen, lose Initiativen, Gruppen und Vereine. Beschrieben werden ausgewählte „good-practice“ Projekte aus ganz Österreich, die im Rahmen des Schulprojektes „Mit allen Sinnen“ durchgeführt wurden.
Die Auswahl bietet mannigfache kreative Herangehensweisen zur Erarbeitung verschiedener Themen der Volkskultur. Der (thematische) Kanon reicht dabei von Brauchtum im Jahres- und Lebenskreis über Arbeit und Freizeit, Migration und Integration bis zu regionalen Besonderheiten und deren Relevanz für die dort lebenden Menschen. Neben einem Projektbericht sind relevantes Ton-, Noten- und Bildmaterial, Hintergrundinformationen zu den Liedern und Tänzen und zu den ausführenden MusikerInnen, Quellen sowie weitere Arbeitsmaterialien mit Vermittlungsmethoden enthalten.
Die Seite wurde vom Österreichischen Volksliedwerk in Kooperation mit den ProjektmitarbeiterInnen des Schulprojekts „Mit allen Sinnen“, den ArchivmitarbeiterInnen der Volksliedwerke und zuständigen Organisation in den Bundesländern sowie den FachinspektorInnen für Musikerziehung konzipiert.
Mehr Informationen zum Schulprojekt und zur Anmeldung unter http://www.mit-allen-sinnen.at/.
Anlässlich des Europäischen Jahres 2012 und dem "Mit allen Sinnen" Schwerpunkt im Schuljahr 2012/2013 zum Thema "Aktives Altern und generationsübergreifende Solidarität" steht auf der ersten Seite eine Auswahl an passenden Projektbeispielen zur Verfügung. Speziell Jodeln und Erzählen von Märchen und Mythen bieten hier die Möglichkeit für eine generationsübergreifende Begegnung.
Außerdem sind alle Lieder mit den Projekten in einer alphabetischen Liedliste zu finden.
3 Lehrpersonen, 18 Schüler



Im Rahmen des Projektes „WerkZeuge“ begaben sich die Schüler der HTL Wolfsberg mit dem Ausbildungsschwerpunkt Automatisierungstechnik auf Spurensuche im Kulturland Lavanttal. In den Fächern Deutsch sowie Theorie- und Werkstättenunterricht wurde, das gesamte Schuljahr hindurch, eine Stunde pro Woche, das historische und technische Wissen zu Handwerk und lokaler Tradition hinterfragt, um Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Die Schüler setzten sich jeweils mit einem ausgewählten Handwerk auseinander und führten dazu Recherchen in Büchern und im Internet durch. Dabei wurden Informationen zu unterschiedlichen Materialien, zu ursprünglichen Werkzeugen erforscht, aber auch Fakten und Daten zu frühen technischen Leistungen gesammelt.
Zur Perspektivenerweiterung trug zusätzlich die Einbeziehung der näheren Umgebung bei: Verwandte und Bekannte wurden in ZeitzeugInnen-Interviews über ihre Tätigkeiten im Bergbau, im Handwerk und in der Landwirtschaft befragt. Neben dieser Begegnung zwischen den Generationen knüpften die SchülerInnen Kontakte zu Kulturschaffenden. Damit konnte die enge Verbindung zwischen Beruf und Kulturgut, beispielsweise mittels Handwerkslied, einmal mehr sichtbar gemacht werden.
Die hier ausgewählten Beiträge dreier Schüler repräsentieren den gespannten Bogen zwischen Überliefertem und Zeitgenössischem. Ausgehend von der Entstehung und Tradition des Handwerks im Lavanttal, deren noch lebenden Akteuren (ZeitzeugInnen) und der Verbindung zum kulturellen Bereich wurden richtungweisende Ideen für die Zukunft entwickelt.
Einer der Schüler setzte sich mit der Steirischen Harmonika auseinander und führte mit Musizierenden und Instrumentenbauern aufschlussreiche Gespräche. Ein zweiter Schüler interessierte sich für die Ursprünge der Schmiedezange, dem Schmieden unter der Bezugnahme der Metallverarbeitung im Lavanttal. Der dritte beschäftigte sich inspiriert von der Nähmaschine seiner Großmutter mit dem Thema Schneiderei und stellte Bezüge zur regionalen Tracht her.
Der Ursprung dieses alten Spottliedes über Handwerker und weiteren Berufsgruppen im Dorf, lässt sich aufgrund seiner mündlichen Überlieferung nicht mehr eruieren. Das noch heute beliebte Lied dürfte weit verbreitet gewesen sein, da es um 1900 in mehreren historischen Aufzeichnungen aufscheint. Etwa 1907 wurde es vom Volksliedforscher Karl Liebleitner (1858-1942) in Köstenberg (Velden am Wörthersee) mit 18 Strophen aufgezeichnet. Beim damaligen Vorsänger handelte es sich um Ulrich Gabriel vulgo „Toferle“, ebenfalls ein Zugehöriger der im Lied scherzhaft besungenen Handwerkergruppe der Holzknechte.
Das Notenblatt zeigt die Originalhandschrift des Volksliedforschers Karl Liebleitner, der sich, beeindruckt von seinen ersten Berührungen mit dem Kärntnerlied im Jahr 1881, immer wieder auf Spurensuche dorthin begab. Liebleitner hinterließ 5.600 Einzelblätter von Volksliedaufzeichnungen, immerhin die Hälfte Kärnten zugehörig.
Hier wird das Handwerkslied, als Beispiel eines typischen Männerliedes, vom Quartett Steuerberg gesungen. Das von 1971 - 1994 bestehende Quartett mit Walter Gaggl, Karl Prossegger, Werner Schnitzer und Alois Spitzer studierte insgesamt 400 Lieder ein und erfreute sich zahlreicher Auftritte bei Konzerten und Fernsehmitwirkungen. Die vorliegende Hörprobe wurde 1979 vom ORF-Landesstudio unter der Aufnahmeleitung von Peter Altersberger aufgezeichnet.
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3 Lehrpersonen, 7 SchülerInnen, 98 MusikantInnen und SängerInnen des Dorfes



Im Projekt „Unser musikalisches Dorfleben“ erfassten die VolksschülerInnen im facherübergreifenden Unterricht sämtliche Brandberger MusikantInnen und SängerInnen mit ihren Musikstücken und Instrumenten sowie den verwandtschaftlichen Beziehungen in einer Datenbank und einem Heft. Die Bandbreite reicht dabei von Mitgliedern der örtlichen Musikkapelle und des Kirchenchors bis hin zu VolksmusikantInnen, die nie an einem öffentlichen Auftritt mitwirkten, sowie allen Kindern, die ein Instrument erlernen.
Das Projekt war als Feldforschung angelegt, bei der die SchülerInnen ihr musizierendes Umfeld erforschten: Im Laufe des Semesters wurden MusikantInnen in die Schule eingeladen oder gemeinsam besucht und interviewt. Die SchülerInnen machten sich während des Gesprächs Notizen und Fotos und dokumentierten anschließend das gesammelte Material.
Im Zuge des Projektes besuchte die Klasse auch den Ziehharmonikaspieler Erich Tasser vulgo „Windhag Erich“. Bei diesem Treffen spielten die beiden auf dem Foto abgebildeten SchülerInnen Sebastian Hörhager (Harmonika) und Christina Rahm (Harfe) den „Tuxer Landler“, auch bekannt als „Triapla ho“. Seine Melodie liegt dem Lied „Diandl, geh eina“, das hier aus einer Tonaufzeichnung der Sammlung von Alfred Quellmalz aus dem Jahr 1941 zu hören ist, zugrunde.
Mittels Projekt lernten die Kinder Methoden der Feldforschung und den Umgang mit Gewährspersonen, das Sammeln von Daten, deren Verarbeitung und Präsentation kennen. Außerdem waren verschiedene Generationen im Projekt involviert, die zu einem gemeinschaftlichen Austausch zusammenfanden. Als Ergebnis liegt eine musikalische Bestandsaufnahme des Ortes vor. Damit wurden nicht nur die Kinder, sondern auch die Bevölkerung mit der musikalischen Vielfalt ihres Dorfes vertraut gemacht und zum Musizieren angeregt.
Dieses Stück ist in der Volksmusik als Landler, Jodler und Lied bekannt. Der im Bild zu sehende Sebastian Hörhager (Harmonika) spielte es gemeinsam mit seiner Klassenkollegin Christina Rahm (Harfe) im Schuljahr 2007/2008 im Rahmen des durchgeführten „Mit allen Sinnen“ Projektes „Unser musikalisches Dorfleben“. Er selbst bezeichnete das Stück als „Tuxer Landler“. Als „Der Triapla ho“ ist dieses Stück jedoch bereits in Franz Friedrich Kohls „Echten Tiroler Liedern“ von 1913/15 zu finden und war bereits zu diesem Zeitpunkt, also vor 100 Jahren, in Tirol und im deutschen Alpenraum verbreitet. So ist es auch unter dem Titel „Holzknecht-Jodler“ im Waldviertel oder als „Der Sensenwetzer“ in Vorarlberg bekannt. Der Jodler dient auch dem hier zu hörenden Lied „Diandl, geh eina!“ als Melodie.
Auf der Tonaufnahme, die aus der Sammlung Alfred Quellmalz aus dem Jahr 1941 stammt, singt Marianne Weiß aus Latsch in Südtirol. In den Jahren 1940-1942 wurde, im Zuge einer zwischen Adolf Hitler und Benito Mussolini vereinbarten Umsiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols (als "Südtiroler Option" bezeichnet), eine umfassende und einzigartige volkskundliche Feldforschung durchgeführt. Alfred Quellmalz wurden die Erforschung und Dokumentation im Bereich Volksmusik, Lied und Tanz übertragen, aus der Tonmaterial mit rund 1.700 Volksliedern, rund 650 Instrumentalmusikaufnahmen und rund 90 Sprechaufnahmen hervorging. Seit den 1980ern hat eine Aufarbeitung und Kontextualisierung dieser Feldforschung eingesetzt, angesichts der denkwürdigen politsch-ideologischen Motivation und der Nutzung für die nationalsozialistische Volkstumspflege.
Literatur Sammlung Quellmalz (1940-42)
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SchülerInnen, Lehrpersonen, evtl. ReferentInnen des Steirischen Volksliedwerks



Das Thema „Gwånd und Schuah“ ist eines, das jede und jeden von uns tagtäglich betrifft. Im Rahmen des Schulprojektes „Mit allen Sinnen“ wird „Gwånd und Schuah“ daher vom Steirischen Volksliedwerk als Schnupperprojekt angeboten.
Denn auf Grund vieler Lieder zu dem Thema bietet es eine gute Gelegenheit sich musikalisch damit auseinanderzusetzen.
Zum einen sind Lieder und Tänze verbreitet, die sich mit den HerstellerInnen von Kleidung, wie mit dem Schuster oder der Spinnerin beschäftigen. Hier gibt es besonders viele scherzhafte und spöttische Lieder wie etwa „Wia machens denn die Schneida“. Zum anderen gibt es Lieder über Kleidung bzw. das Anziehen. Dazu zählt auch das hier zu hörende „Mei, håb i net a schens Schuacherl ån“, das der CD zum gleichnamigen Buch „Kindertänze trallala“ entnommen ist. Es handelt sich hier um ein Schwellied. Das heißt von Strophe zu Strophe kommt immer neuer Text hinzu. Diese damit verbundene Beliebtheit bei Kindern gemeinsam mit dem pädagogischen Lernziel der Memorisierung macht es ideal für den Gebrauch im Unterricht.
Darüber hinaus lassen sich manche Lieder zu diesem Thema gut mit Bewegungen kombinieren, etwa mit der Spielzusammenstellung "Huat-Tauschen". Zum Thema gibt es auch verschiedene Tänze, wie zum Beispiel „Du årmer Schuastergsöll“, der hier mit einer Tanzbeschreibung abgebildet ist. Einige dieser Lieder lassen sich durch neue selbst gedichtete Strophen an die eigene Lebenswirklichkeit, sprich die heutige Kleidung anpassen.
Zusätzlich kann man sich in diesem Projekt mit der Herstellung von Kleidung beschäftigen und so etwa eine Schneiderin, einen Schuster, eine Spinnerin, einen Weber etc. in ihrer/seiner Werkstatt besuchen, Großeltern befragen oder sich selbst in diesen Fertigkeiten wie weben, stricken, textiles Gestalten versuchen. (siehe Projekt "Fit für Kathrein"). Hier sind auch Vergleiche von Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren aus vergangenen Zeiten möglich. Die Auseinandersetzung mit der Tracht bzw. regionalen Mustern und Stoffen ist eine weitere Vertiefungsmöglichkeit.
Das hier abgebildete Aquarell von Karl Ruß zeigt Bauersleute aus Passail bei Graz und stammt aus dem Jahr 1813.
In verschiedenen Text- und Melodievariationen überliefert, wird das Lied „Mei, hab i’s net a schens Schuacherl ån“ bis heute gerne gesungen. Die erhaltenen Quellen reichen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und verteilen sich räumlich von Tirol und Südtirol, dem Bregenzerwald und Salzkammergut bis hin zum Lavanttal in Kärnten.
Das Lied zählt zu den Schwellliedern, die von Strophe zu Strophe „anschwellen“, da immer neuer Text hinzugefügt wird. Diese damit verbundene Beliebtheit bei Kindern gemeinsam mit dem pädagogischen Lernziel der Memorisierung macht es ideal für den Gebrauch im Unterricht. Das Steirische Volksliedwerk bietet passend zum Lied Schnupperprojekte für Schulen zum Thema „Gwånd und Schuah“ an. Dabei wird sich dem Thema inhaltlich sowie musikalisch angenähert.
Das Lied ist auf der CD und im gleichnamigen Liederbuch „Kindertänze trallala“ zu finden, 2006 herausgegeben vom Steirischen Volksliedwerk. Es singen und spielen Vinzenz Härtel, Sigrun Mogel, Uta Mogel und Gerhild Mogel, mit Unterstützung ihrer Eltern und Geschwister.
Das hier abgebildete Aquarell zeigt Bauersleute aus Passail bei Graz und wurde 1813 von Karl Ruß auf seiner Wanderung in dieser Gegend angefertigt. Es befindet sich im mehrbändigen, von Konrad Mautner und Viktor Geramb publizierten Werk „Steirisches Trachtenbuch“ im 2. Band, dritte Lieferung „Ost- und Untersteier“ aus dem Jahr 1936 (Graz).
34 SchülerInnen, 1 Lehrperson, 1 Jodel-Referentin



Das Projekt „Jodeln echt cool“ oder „Jodeln macht Schule“ wird immer wieder vom Vorarlberger Volksliedwerk an Vorarlberger Schulen durchgeführt. Im Schuljahr 2010/11 hat sich der Schulchor der VS Au in einem einstündigen Workshop mit einer Jodel-Referentin für diese Singpraxis begeistern lassen.
Eingangs lernten die SchülerInnen Wissenswertes über die Gattung, Tradition und Technik des Jodlers kennen. Darauf folgend probierten sie gleich den „Ho i ti“ auch bekannt als „Hett i di“, einen im ganzen Alpenraum verbreiteten und beliebten „Nåcheinånd“. Zwei Gruppen singen zwar dieselbe Jodlermelodie, Merkmal des „Nåcheinånd“ ist jedoch das versetzte Einsetzen der Stimmen, das sich auch wie ein Echo anhört.
Die Aufnahme entstammt einer Feldforschung, die 1976 im Bregenzer Wald durchgeführt wurde. Dabei waren Edwin Waldner, Jodok Schneider, Paul Fetz, Olga Troy, Zita Jochum, Elisabeth Hammerer, Emanuel Helbok zugegen. Der vorliegende Notensatz enthält eine 3. Stimme, die dazu gesungen werden kann, und stammt aus dem 2011 vom Steirischen Volksliedwerk publizierten „123 Jodler und Juchzer“.
Das Jodelerlebnis des Schulchors wurde mit zahlreichen Jodlern erweitert: Ein Jodler im Kanon und ein weiterer zu dem getanzt wurde; dabei konnten die mitgebrachten Instrumente der Referentin, die Steirerorgel und Maultrommel ausprobiert werden. Neben dem Kennen lernen dieser regional verorteten Singpraxis stellte das Singen ohne Text eine Besonderheit und ein Klangerlebnis für die SchülerInnen dar.
Im Bild ist die Jodel-Expertin Evelyn Fink-Mennel mit den SchülerInnen der VS Doreen zu sehen, die 2008/09 ebenfalls ein Projekt zum Jodeln durchführten. Die Kinder verwendeten zur Klangverstärkung einen Holztrichter, der seinen Ursprung in der Volksmusik der Schweiz hat.
Dieser Jodler ist in vielerlei Varianten und unter vielerlei Namen bekannt: als „Hätt i di, håb i di“, „He i ti“, als „Hålterbua Jodler“ oder auch als „Hålt’ s Maul“. In einer Aufzeichnung von 1909 in Obdach in der Steiermark wird er als „Echojodler“ bezeichnet, was die akustische Wahrnehmung sehr treffend wiedergibt: Die 2. Stimme folgt prompt nach dem Starten der 1. Stimme, weswegen der Jodler auch als „Nåcheinånd“ bezeichnet wird. Im hier vorliegenden Notensatz aus dem 2011 vom Steirischen Volksliedwerk herausgegebenen „123 Jodler und Juchzer“ erscheint eine 3. Stimme mit dem etwas rauem Ausruf „Hålt’ s Maul, sei still, geh hoam, wånn i will!“. Josef Pommer (1845-1918) zeichnete den Jodler bereits um 1880 in Landl und danach in weiteren Gegenden der Steiermark auf. Er veröffentlichte ihn 1893 in „252 Jodler und Juchezer“ und 1902 in „444 Jodler und Juchezer aus Steiermark und dem steirisch-österreichischen Grenzgebiete“.
Dieser Jodler erfreut sich im ganzen alpenländischen Raum großer Beliebtheit und wurde im Rahmen einer Feldforschung im Bregenzer Wald am 26.10.1976 in Großdorf bei Egg aufgenommen. Unter den Ausführenden befanden sich Edwin Waldner, Jodok Schneider, Paul Fetz, Olga Troy, Zita Jochum, Elisabeth Hammerer, Emanuel Helbok.
In Vorarlberg wird mit dem Schulprojekt „Jodeln echt cool“ wieder verstärkt die Tradition des Jodelns an eine junge Generation vermittelt, wie auch hier im Bild zu sehen (Kinder der VS Doreen mit der Jodel-Expertin Evelyn Fink-Mennel). Dabei kommen der „Hett i di“ und viele andere Jodler in den Jodelworkshops vor. Die Kinder benutzen zur Klangverstärkung einen Milchtrichter aus Holz, deren Verwendung in der Volksmusik der Schweiz zu finden ist. Demnach verwendete der Senner auf der Alm den Trichter als Verstärker für seinen Betruf, mit dem er allabendlich um den Schutz vor Gefahren für die Nacht bat. Auch heute noch gibt es Kantone in der Schweiz, wo das Alpsegenrufen Tradition hat.
240 SchülerInnen, 19 Lehrpersonen, 8 ReferentInnen, ExpertInnen im Umfeld



Anlässlich des Europäischen Jahres 2008 zum interkulturellen Dialog beschäftigten sich alle Klassen der Volkschule Otto Glöckel fächerübergreifend über ein gesamtes Schuljahr gemeinsam und unabhängig voneinander mit dem Thema Brücken. Jede Schulklasse erarbeitete ein Projekt: Eine Klasse häkelte an einer Hängebrücke, die über der Aula aufgehängt wurde, eine andere fertigte Ziegel aus Ton an, brannte diese und setzte sie zu einer Brücke zusammen. Davor wurde der Aufbau einer römischen Brücke an einem Holzmodell studiert. Einige malten Ziegelsteine und schrieben Texte darauf. Daraus wurde ein Gemeinschaftsplakat, das im Schulgang aufgehängt wurde. Eine weitere Klasse fertigte eine DVD über Brückenbau sowie eine Dia-Serie über berühmte Brücken an, die sie zuvor mittels Internet und Büchern recherchierten.
In angebotenen Workshops wurde der Brückenbau sinnlich erfahrbar und mittels verschiedener Methoden zur Förderung des Gemeinschaftssinnes und Körpergefühls beigetragen. ExpertInnen, die auch unter den SchülerInnen, Eltern und Verwandten gesucht wurden, gaben ihr Wissen in Kleingruppen weiter. Zwei Lachyoga-Expertinnen übten in Gruppen das gemeinsame Lachen. Im Jodel- und Heimatkundeworkshop wurde das Wissen über die eigenen Wurzeln vertieft, Jodler gelernt und dabei Parallelen zu Instrumenten und Gesängen in anderen Kulturen entdeckt. Weiters wurden Lieder und Tänze anderer Kulturen eingeübt, so auch ein in der Türkei weit verbreiteter Tanz, der Delilo Halay, dessen zu hörende Melodie mit dem Lied „Gel bize, Kati bize“ (Komm zu uns) gesungen werden kann und von den SchülerInnen mit einer einfachen Grundschrittvariante getanzt wurde: vier Schritte schräg rechts vorwärts, vier Schritte gerade zurück.
Zum Abschluss lud die Schule zu einem interkulturellen Fest mit Präsentation und einem interkulturellen Buffet ein. Das gemeinsame Feiern stärkte das Selbstbewusstsein aller Beteiligten und förderte den Brückenbau zwischen Eltern, Lehrpersonen und SchülerInnen.
„Gel bize, katıl bize“ ist ein Lied, das vom Rhythmus und Inhalt Ähnlichkeiten zum deutschsprachigen Lied „Brüderlein, komm tanz mit mir“ aufweist, sich jedoch melodisch unterscheidet. Zum Lied wird ein in der Türkei weit verbreiteter Rundtanz – der Halay – getanzt. Dieser ist in vielen verschiedenen Ausführungen bekannt und zeigt häufig pantomimische Darstellungen. Er wird stets in Reihen getanzt, durchgefasst, in Schulterfassung oder mit den kleinen Fingern eingehängt. Den Tanz führt immer der beste Tänzer an (Halaybaşi), meist ein weißes oder rotes Tuch schwingend bestimmt er Tempo und Tanzstil, von denen es in jeder Region andere gibt. Gerne wird Halay von Zurna und Davul (Trommel und Oboe) begleitet.
Eine einfache Grundschrittvariante wird von den SchülerInnen der VS Otto Glöckel, St. Pölten getanzt, die diesen Tanz im Rahmen eines 2009/2009 durchgeführten „Mit allen Sinnen“ Projektes zum Thema „Brücken“ kennen gelernt haben: Vier Schritte schräg rechts vorwärts, vier Schritte gerade zurück.
Der im Notenbeispiel dargestellte Halay ist dem Liederbuch "Lieder der Türkei" von Stephan Unterberger, das 1994 mit einer begleitenden CD im Musikverlag Helbling erschienen ist. Abdruck und Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Es handelt sich dabei um eine beliebte und weit verbreitete Form des Halay aus dem Halaygebiet und nennt sich Delilo Halay. Der Schritt ist im deutschen Sprachraum auch als Reigenschritt bekannt.
945 SchülerInnen, 32 Lehrpersonen, 12 ReferentInnen: Ensemblespiel, Gesang, Tanz, Böhmische Volksmusik, diverse Instrumente; MusikerInnen und Tanzgruppe aus Tschechien



Im Schuljahr 2009/10 widmete sich die Landesmusikschule im Mühlviertel dem Thema Volksmusik. Die SchülerInnen der Instrumental-, Gesangs- und Tanzklassen sollten aktiv mit dieser Musikkultur und dem Umfeld in Berührung kommen. Zudem galt es über die Grenzen zu blicken und Volksmusik als auch MusikerInnen und TänzerInnen aus dem benachbarten Böhmen kennen zu lernen.
Für die Lehrpersonen wurden im Laufe des Schuljahres zwei Fortbildungstage für Volksmusik angeboten. Dies diente dazu, Lehrpersonen, die noch wenig Erfahrung mit dieser Musikrichtung hatten in die Thematik einzuführen. Auch einige ältere SchülerInnen nahmen daran teil. Weiters fand eine Fortbildung zum Thema „Böhmische Volksmusik / Lied / Tanz“ statt.
Während des Unterrichts beschäftigten sich alle SchülerInnen mit Volksmusik und –tanz. Bei Übertrittsprüfungen wurde ein Volksmusikstück (Solo oder im Ensemble) auswendig vorgetragen. Gleichzeitig bildeten sich mit Schuljahresbeginn klassenübergreifende Ensembles – Kinder ab 7 Jahren musizierten in entsprechenden Gruppen, um zum Tanz aufzuspielen oder Kinderlieder zu begleiten. Wert wurde vor allem auf die Verinnerlichung der Stücke gelegt, ganz dem Projektmotto entsprechend „Musiziern nach´n G´hör“. Mittels spielerischem „Auswendiglernen“ sollte das Erlernte jederzeit abrufbar und für den passenden Anlass einsetzbar gemacht werden.
Über den regulären Unterricht hinaus beteiligte sich die LMS Bad Leonfelden an diversen regionalen und überregionalen Veranstaltungen, um mit dem Umfeld bekannt und vertraut zu werden. Höhepunkt war eine „Musiroas“ in den tschechischen Nachbarort Hohenfurt (Vyssi Brod), bei dem am 27.06.2010 alpenländische und tschechische Volksmusik mit MusikerInnen und einer hier abgebildeten Tanzgruppe aus Tschechien gelebt wurde. Unter anderem führten die Beteiligten die Sternpolka auf, die sowohl im Mühlviertel als auch in Böhmen verbreitet und beliebt ist und hier von Toni Pichler begleitet mit seiner Steirischen Harmonika zu hören ist.
Bekannt geworden unter dem tschechischen Namen „Doudlebska Polka" herrschte über die Herkunft der Sternpolka lange Zeit Uneinigkeit. Während die einen meinten, es handle sich um einen ursprünglich tschechischen bzw. slowakischen Tanz, verorteten andere ihren Ursprung in Dänemark. Eine weitere, abenteuerlichere Theorie ging davon aus, dass der Tanz durch eine tschechische Studentin in die USA gebracht wurde, wo er von Squaretanzgruppen adaptiert und in weiterer Folge über diese wieder zurück nach Europa kam.
Neben all den Mutmaßungen, stellte eine die Weiche zur Erkenntnis: da die Sternbildung beim Tanz auch bei der „Linzer Polka" üblich ist, vermutete man einen gemeinsam Ursprung der beiden. In den 1980er Jahren bestätigte Rudolf Lughofer aus Kremsmünster diese Annahme. In seiner Tätigkeit als Blasmusikgruppenleiter pflegte er rege Kontakte zu Musikantengruppen rund um Budweis. Er berichtete, dass in diesem Gebiet die Sternpolka unter dem Namen „Doudlebska Polka" in der Form getanzt wurde, wie sie im deutschsprachigen Gebiet bekannt ist. Auf einem Notenblatt fand er auch den Namen „Linca Polka".
Demnach lernten tschechische Musikanten, die im Zuge des Ausbaus der Pferdeeisenbahn Linz-Budvar im 19. Jahrhundert nach Oberösterreich, insbesondere nach Linz kamen, die „Linzer Polka" kennen. Die Musikanten spielten sie nach, übernahmen die Tanzform und brachten die „neue" Polka in ihre Heimat Böhmen. Den Erzählungen zufolge machten die Musiker auf der Rückfahrt nach Budweis Halt im Dorf Doudlebska, infolge sich der Namen ableitet.
Bei einem „Mit allen Sinnen" Schulprojekt 2009/10 mit dem Titel "Musiziern nach´n G´hör & landlerisch tanz´n" traten SchülerInnen der Landesmusikschule Bad Leonfelden im Mühlviertel bei einer „Musiroas" im tschechischen Nachbarort Hohenfurt (Vyssi Brod) mit der Sternpolka, unter anderem mit der hier abgebildeten Tanzgruppe, auf.
Am Tonbeispiel ist Toni Pichler mit seiner Steirischen Harmonika zu hören.






