

Das Singen mit Klangsilben im Wechsel von Brust- und Kopfstimme nennt man in Österreich Jodeln, Dudeln, Almern u.ä.m. Einst diente es zur Kommunikation im Freien, erst nach und nach wurde der Jodler zur typisch alpenländischen Gesangsform.
Die mehrstimmige Realisierung mit unterschiedlichen Stimmführungsmöglichkeiten und auch die mehrmals um einen Ton höher wiederholte Kleinform zeichnen den Jodler aus. Die melodische Charakteristik wird aber auch solistisch genützt. Als Vortragsjodler wurde gerade in Wien eine spezielle Form des Jodelns - „das Dudeln" - entwickelt. Oftmals werden Jodler auch als Anhang zu Liedern gesungen.

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Tirols Musikgeschichte wurde während des 15. - 17. Jahrhunderts vor allem durch das Hause Habsburg geprägt, unter anderem durch Persönlichkeiten wie Kaiser Maximilian. In dieser Zeit widmete man der Kultur der unteren sozialen Schichten wenig Aufmerksamkeit. Erst im Zuge der Aufklärung des 18. Jahrhunderts entstand allmählich Interesse am volkskulturellen Leben. Besonders die „Tuxerin" und der „Tuxer" aus dem hinteren Zillertal wurden alsbald durch ihr „keckes Auftreten" zum Tiroler Volkstypen erhoben.
Die Figur des Tirolers und seine kulturelle Besonderheit fanden Einzug in das Wiener Possentheater sowie in die Oper. Berühmte Komponisten wie etwa Beethoven oder Franz Liszt verarbeiteten Teile der tirolerischen Musikkultur in ihren eigenen Kompositionen. Zudem entdeckten Adelige die bäuerlichen Trachten als Gewand für sich und idealisierten das naturverbundene Leben. Dieser Tirol-Boom wurde zusätzlich durch die Treue der Tiroler zum Hause Habsburg während der Befreiungskriege gegen Napoleon untermauert.
Diese „Mode à la Tyrolienne" beflügelte die Entstehung der Tiroler Nationalsänger. Die Geschwister Felix, Anton, Franz, Joseph und Maria Rainer aus Fügen im Zillertal waren die ersten Nationalsänger, die mit einem volksmusikalischen Programm auf Tournee gingen. Besonders an den europäischen Fürstenhöfen erfreuten sie sich großer Beliebtheit. Aufgrund einer Einladung des englischen Königshofes entstanden dort 1827 die ersten Aufzeichnungen und Publikationen ihres volksmusikalischen Repertoires. Aufgezeichnet und bearbeitet hat die zwölf Lieder der Klaviervirtuose Ignaz Moscheles (1794-1870). Eines davon ist „Und da obn, sagt er, auf der Höh". In dieser Bearbeitung ist auf die Anlehnung an das volksmusikalische Repertoire zu verweisen, das international als echte Tiroler Volksmusik verstanden wurde.
Hier zu hören ist das Vokalensemble des Ferdinandeums.
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Die Umbrückler Alm befand sich oberhalb der Hungerburg, an der Nordkette bei Innsbruck. Autor des gerne gesungenen und in Tirol relativ weit verbreiteten Liedes ist der berühmte Tiroler Lieddichter Josef Pöll (1874-1940). Das Lied mit dem gleichnamigen Strophenanfang „Af der Umbrückleralm" ist auch bekannt unter dem Titel „'s Kasermandl".
Die Figur des Kasermandls ist sagenumwoben. Beim besungenen Kasermandl handelt es sich um einen kleinen, gut- aber auch bösartigen Almgeist, der nach dem Almabtrieb in der Winterzeit auf der Sennhütte sein Unwesen treibt. Einst, sagt man, war der Almgeist selbst Senner einer Almhütte. Aufgrund seiner unzureichenden Sorgfalt im Umgang mit seinen Käse- und Butterprodukten soll er nach seinem Tod für seine Missetaten büßen und muss den Winter auf der Alm verbringen. Der Sage nach kann ein jeder Wanderer das Kasermandl von seinem Fluch erlösen, indem von seinem selbstgekochten „Muaß" gegessen wird, das mit Dreck und Tierkot vermengt ist.
Das Kasermandl treibt jedoch nicht nur auf der Umbrückler Alm sein Unwesen, sondern wird auf zahlreichen weiteren Almhütten vermutet. Nicht überall muss der Almgeist den ganzen Winter auf der Alm verbringen und ist bereits zu Martini (11. November) von seinem Bann gelöst. In diesem Zusammenhang steht der Brauch des „Almererfahrens" oder auch „Martinistampf" - ein Zug von jungen verkleideten Burschen symbolisiert dabei den Abzug des Kasermandls von der Alm.
Bereits 1850 publizierte der bekannte Sagensammler Ignaz Vinzenz Zingerle (1825-1892) eine Sage, die über das Treiben des Kasermandls berichtet. Über den Brauch zeichnet er Folgendes auf: „Am Martinstag hört man das Martingestämpe. Denn an diesem Tage ziehen die Kasermannlen von der Alm, wo sie nichts mehr zu thun haben, mit Lärm ab."
Diese hier zu hörende Aufnahme stammt von 1956/57. Der Interpret Max Duregger (1915-1987) war ein Alleinunterhalter aus Arzl im Pitztal. Er sang Lieder für die Gäste des Tales und komponierte selbst Stücke.
Zu hören ist „s Kasermandl" auch in der 1962 verfilmten Komödie „Der verkaufte Großvater", gespielt von Hans Moser und gesungen von Lolita.
Video auf you Tube: "Auf der Höttinger Alm" gesungen von Lolita im Film "Der verkaufte Großvater"
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Die Bewirtschaftung der Alm während des Sommers galt alles andere als einfach. Dennoch wird in diesem Lied auf eine realistische Darstellung der Arbeit verzichtet. Stattdessen wird das Almleben als Ausnahmezustand zelebriert, als Ort der Freiheit, der im Gegensatz zu den beengenden Verhältnissen im Tal steht. Vor allem die Textzeile: „Im Thal da hats an' Nöb'l, auf den Almen ist's klar..." lässt den Gegensatz zwischen Tal und Alm deutlich erscheinen, nicht nur die Wetterverhältnisse, sonder als Metapher verpackt erscheint das Geschehen im Tal vernebelt. Wohl deshalb wird dem Abschied am Ende des Sommers wehmütig entgegengeblickt. Besonders die Alm ist mit dem Jodler und Juchzen verbunden, deshalb weisen viele Almlieder, wie auch hier einen Jodler auf.
Das Lied wurde erstmals 1897 von dem bekannten Tiroler Volksliedsammler und -forscher Franz Friedrich Kohl aufgezeichnet, von Hubert Steiner vierstimmig gesetzt und im ersten Band Kohls mit dem Titel „Echte Tiroler Lieder", veröffentlicht. Als Volksliedforscher ging dieser im gesamten Tiroler Raum seiner Sammelleidenschaft nach und war um die Erfassung „echter, bodenständiger" Tiroler Lieder bemüht, die er von den „volksthümlichen" Liedern als auch vom „Bängelgesang" seiner Zeit abgrenzte. Überliefert wurde ihm das Lied von Elise Kindl aus Stubai, die als Wirtschafterin in St. Leonhard in Passeier tätig war. In Kohls Aufzeichnungen kommen vier Strophen vor, wobei sich nur drei durchgesetzt zu haben scheinen. Jene von der „Sennerin" und dem „Bua" ist in weiteren Aufzeichnungen wie der Südtiroler Sammlung von Alfred Quellmalz (1940 - 1942) und den Osttiroler Feldforschungen von Manfred Schneider (1982 - 1984) nicht zu finden.
Aus letzterer Feldforschung, 1984 in Nussdorf-Debant in Osttirol aufgezeichnet, stammt das Tonbeispiel, gesungen vom Ehepaar Gertrud und Helmut Patterer. Daraus wurde diese Handschrift angefertigt. Ein weiteres Tonbeispiel stammt aus einer 1973 von Hans und Gerlinde Haid durchgeführten Feldforschung in Sulztal bei Längenfeld. Im Rahmen des Almabtriebs wurde diese Aufzeichnung beim nachfolgenden gemütlichen Beisammensein im Gasthaus gesungen.
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Dieses Lied kann als Lob an Erzherzog Johann von Österreich (1782-1859) verstanden werden. Er ging nicht nur als Modernisierer in die Geschichte ein, sondern war auch in volkskultureller Hinsicht äußerst wichtig für die Steiermark, denn er trug zum Sammeln und Fördern materieller und geistiger Kultur bei und pflegte einen engen Kontakt zur Bevölkerung. Ausgedrückt hat er dies durch das Tragen des Steireranzuges, außerdem heiratete er eine Bürgerliche, die Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl.
Mehr oder minder bedeutende Komponisten widmeten dem berühmten Erzherzog Stücke, die heute allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Im Gegensatz wurden einige der sogenannten „Erzherzog Johann-Lieder" als Volkslieder bekannt und werden noch heute gerne gesungen, allen voran das berühmte „Wo i geh und steh". Zumindest der Text dieses „steyrischen Alpenliedes" - die Melodie dürfte aus Tirol stammen - wurde 1830 vom oberösterreichischen Beamten und Mundartdichter Anton Schosser (1801-1849) in Schärding verfasst und unter dem Titel „'s Hoamweh" in den „Naturbildern aus dem Leben der Gebirgsbewohner in den Grenzalpen zwischen Steyermark und dem Traunkreise" (Linz 1849) abgedruckt veröffentlicht. Durch die Aufnahme in eine Reihe von Liederbüchern fand das Lied rasch Verbreitung. Dieses „Kunstlied im Volksmund" wurde vor allem durch Nationalsänger in vielen Varianten verbreitet. In seiner späteren Version mit dem kunstvollen Bravourjodler gilt der „Erzherzog Johann-Jodler" heute so manchem als heimliche steirische Landeshymne.
Gesungen wird das Lied hier von Gisela Meissenbichler (1906-1998), die den Bravourjodler in unvergleichlicher Weise interpretiert und ihr den Ruf als Jodelkönigin einbrachte. Der Erfolg der gebürtigen Tirolerin begann bei einer Wanderung auf die Schneealm. Nach einer kurzen Rast in der Rinnhofer-Hütte wurde sie von ihrem Mann aufgefordert, die Gitarre von der Wand zu nehmen, zu spielen und zu singen, um die Gesellschaft in der Hütte zu unterhalten. Das Schicksal nahm seinen Lauf, denn die damals noch junge Schallplattenindustrie war auf der Suche nach beeindruckenden Talenten und eine Karriere als Meistersängerin bei zahlreichen Radiosendungen und Veranstaltungen im In- und Ausland war ihr sicher. So ist es auch nicht verwunderlich dass ihre Schellacks zu gesuchten Raritäten wurden.
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Pfeiferbuben sind noch heute besonders im Salzkammergut zu finden. Ihr Instrument ist die Seitl- oder Schwegelpfeife, eine klappenlose Querflöte aus Holz. Der Wiener Alexander Baumann (1814-1857), ein beliebter Schriftsteller, Stegreifdichter, Schauspieler und Komponist sowie „Official des k. k. Kabinett-Archives" trug um 1830 vor allem als Sänger und Zitherspieler einiges zur Bekanntheit und Verbreitung alpenländischer Melodien in den gebildeten Kreisen Wiens bei. Durch seine starke Verbindung zum Salzkammergut veröffentlichte er 1854 „Di zwoa Pfeifabubn". Das Jodlerlied wurde mit vier Strophen abgedruckt, für zwei Singstimmen und, wie es damals üblich war, mit einer Klavierbegleitung, die vermutlich vom Komponisten und Hofkapellmeister Benedikt Randhartinger (1802-1893) stammt. Bei den in der zweiten Strophe erwähnten Pfeifern „Sepp und Franz" handelt es sich um Josef und Franz Steinegger, vulgo Wilhalmer, Holzknechte und Salzarbeiter aus Grundlsee. Die Brüder verbrachten auf Einladung der Gräfin Josephine von Wertheimstein den Winter 1853/1854 in Wien, wo sie auch im Hause Baumanns musizierten, den sie wohl hier oder auch in ihrer Heimat zur Komposition des Jodlerliedes angeregt haben dürften.
Verschiedene Varianten des Liedes verbreiteten sich rasch, wurden von Josef Pommer aufgezeichnet und werden noch heute vor allem in Wien und im Salzkammergut gesungen. Die heute gebräuchliche Fassung besteht aus der ersten, zweiten und dritten Strophe von Alexander Baumann, versehen mit der von Helmuth Pommer veröffentlichten Jodlermelodie aus der Sammlung seines Vaters Josef.
Die instrumentale Fassung des Liedes hier stammt von der „Ausseer Zithermusi" und den „Altausseer Seitlpfeifer". Die „Ausseer Zithermusi" gibt es in dieser Formation seit den 1990ern, ihr Repertoire umfasst vor allem überlieferte Volksmusik, erweitert von selbst komponierten Stücken des Zitherspielers Hans Gaiblinger. Neben ihm gehören zwei weitere Zitherspielerinnen, Sieglinde Köberl und Gerlinde Duschl und in Gitarrenbegleitung Hanni Gaibinger der Gruppe an. Bei dieser Tonaufnahme handelt es sich um einen Lifemitschnitt, der im Rahmen des „Konrad Mautner-Abends" im Kurhaus Bad Aussee am 26.06.1999 aufgezeichnet wurde.
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Bei diesem Lied handelt es sich um ein Gstanzl-Lied mit Dudlereinschüben, das weit in die Wiener Musikantentradition zurück reicht. Die Verbindung zwischen Dudler und Instrumentalmusik wird hier deutlich. „Es ist anzunehmen, daß der Dudler dieses Liedes von der ersten Geigenstimme der ‚Anwandler Tänze' (von Jos. Winhart) übernommen und als eigenständige Weise zurechtgesungen wurde." 1866 verarbeitete Alois Strohmayer diesen Dudler in seinem „Strohmayer-Tanz".
Die „Schindergrube" ist die Grube eines Wasenmeisters, auch Abdecker oder Schinder bezeichnet, in die Abfälle bzw. Kadaver geworfen wurden. Dieser Gewerbezweig wurde vielerorts als „unehrlich" angesehen. Daher war der Wasenmeister meist außerhalb der Stadt angesiedelt und lebte vielfach von Gegenleistungen wie Eier, Flachs, Stroh, die man ihm für die Entsorgung überbrachte.
Trude Mally (1927-2009) sang dieses Lied als achtzehnjähriges Mädchen im Spielfilm "Wiener Melodien" (1947). Sie war eine der großartigsten Dudlerinnen Wiens. Jede Dudlerin hat ihr eigenes Tempo und ihre eigene Art zu dudeln, Agnes Palmisano gilt als jüngste Interpretin und Expertin dieses Genres. Fernab ihrer universitären musikalischen Ausbildung lernte sie „echte" Wiener Musik von bedeutenden Wienerlied-Interpreten, unter anderem von Trude Mally.
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Dieser Jodler stammt aus der Schweiz und ist nur mündlich überliefert. Die Interpretin dieses traditionellen Jodlers, Christina Zurbrügg, stammt selbst aus der Schweiz, aus dem Berner Oberland. In ihrem Film „Bleiben oder Gehen", produziert mit Michael Hudecek, wird ihr Heimatdorf Kiental zum Thema gemacht. Das Dorf erlangte Berühmtheit, da es Schauplatz einer Geheimsitzung Wladimir Lenins sowie Inspirationsquelle für Friedrich Dürrenmatts Theaterstück „Der Besuch der alten Dame" war. Aus Original-Filmaufnahmen aus den 1950ern vom Kameramann Landtwing und gegenwärtigen Aufnahmen der beiden Regisseure entstand eine Komposition einer vergangenen und teils verlorenen Bergbauernkultur mit modernen, touristischen Einflüssen der Gegenwart. Thematisiert wird auch der Lebensweg einzelner Menschen aus Kiental, deren Höhen und Tiefen sowie Erinnerungen an ihre eigene Kindheit. Der Film trägt durch wiederholende Film- und Musiksequenzen einen zyklischen Charakter, der dem Jahreskreislauf gleicht. Besonders die typischen Jodler von Christina Zurbrügg lassen das Gefühl einer Sehnsucht nach Erfüllung aufkommen, die heute im Urlaub als auch im Alltag gesucht wird.
Als Filmmusik arrangiert kommt auch dieser Abschiedsjodler vor. Entstanden ist dieses Arrangement aus der Zusammenarbeit mit dem Elektronik-Musiker Klaus Hollinetz beim „Komponistenforum Mittersill" 2001 mit dem Thema „Volksmusik". Er war lange Zeit der Eröffnungsjodler bei den Konzerten Zurbrüggs - ein Solo mit Gesang und Akkordeon. Das Akkordeon ist dabei verlangsamt und bekommt so diesen orchestralen Sound. Leider lassen sich die Wurzeln des Jodlers oder auch erste Aufzeichnungen nicht zurückverfolgen. Die Musikerin hat diesen Jodler im Zusammenspiel wieder aufgegriffen und er hat somit Eingang in ihr musikalisches Repertoire gefunden.
Heute lebt Christine Zurbrügg seit vielen Jahren in Wien und setzte sich viel mit dem österreichischen Jodeln und Dudeln auseinander. In ihren eigenen Kompositionen fließen immer wieder traditionelle Musikformen ein. Die Musikerin komponiert auch viele selbst. Ihre eigenen Kompositionen und Arragenments zeichnen sich durch eine experimentierfreudige, originelle Kombination von Gesang, Rap und Jodeln aus. Damit schafft sie es eine Mischung von archaisch-urbanen Sounds mit Loops, Naturklängen und Elektronika zu kreieren.
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Am 2. Mai 1937 fand das 9. Volksliedsingen der RAVAG (Österreichische Radio-Verkehrs-AG) in Bludenz, im Saal der Brauerei Fohrenburg statt. Teilnahmeberechtigt war jeder, der „echte Volkslieder einzeln oder in Gruppen singt" - geschulte SängerInnen oder Gesangsvereine wurden nicht zugelassen. Die Kriterien für die Liedauswahl waren streng, erwünscht nur „ausschließlich echte, d.h. im Volke selbst entstandene und mündlich überlieferte deutsche Volkslieder und Jodler". Aus Vorarlberg meldeten sich 28 Personen, darunter war eine Frauengruppe aus Dornbirn-Mühlebach, die in Hohenems geborenen Schwestern Fußenegger: Diem Frieda (1909-1994), Fässler Maria (1907-1990) und Adelina Linder (1903-1982). Unter anderem sangen sie einen „Wälder Jodler", der bis heute die älteste Tonaufnahme eines Jodlers in Vorarlberg darstellt. Verschiedene Varianten dieses Jodlers sind bekannt. Seit mehreren Jahren ist auch die begeisterte Volksmusikforscherin und Vermittlerin Evelyn Fink-Mennel dem selten gewordenen Jodler im Bregenzerwald auf der Spur. Sie veröffentlichte ihn in ihrem Buch "Johler und Juz. Registerwechselnder Gesang im Bregenzerwald".
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Das Jagdrecht des Volkes wurde seit der Römerzeit zunehmend beschnitten, bis es überhaupt nur mehr dem wohlhabenden Adel vorbehalten war. Das Jagdprivileg des Adels galt, unter anderem, auch als eine Demonstration ihrer Macht. Das Wildern wurde daher als Angriff gegen diese gedeutet und demzufolge streng verfolgt. Neben Geld- und körperlichen Strafen konnte der Wilderer auch des Landes verwiesen werden. Die Durchsetzung der Gesetze erwies sich jedoch als schwierig, zu groß war vielerorts der Widerstand der Unterschicht eine solche Gesetzeslage zu akzeptieren. Großteils stellte das Wildern, neben dem ebenso vielerorts verbotenen Holzsammeln, die einzige Überlebensmöglichkeit dar.
In den Wildererliedern wird das Machtverhältnis umgedreht. Hier ist es der Wilderer, der im offenen Protest die Obrigkeit verspottet, austrickst und besiegt und als viel besungene, legenden- und heldenhaft ausgeschmückte Gestalt in Erscheinung tritt.
Das Leben des Wilderers wird als freies, unbekümmertes Leben dargestellt und es werden ihm übernatürliche Fähigkeiten zugesprochen, die in der Realität ganz anders aussahen. Beim Volk waren sie, wohl nicht zuletzt wegen ihres Aufbegehrens gegenüber der Obrigkeit und deren Gesetze, aber meist sehr beliebt - eine Vielzahl von Liedern über diese legendenhaften Gestalten zeugen davon.
Im Steirischen Volksliedarchiv gibt es zahlreiche Niederschriften aus verschiedenen Nachlässen aus der ganzen Steiermark, die im Laufe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts Fassungen des „Gamserlschiaßns" beinhalten. Eine ähnliche Variante stellt auch das Lied „Steig i's aufs Gamsbirig auf" dar. In beiden Fällen wird der Steirische Prinz", Erzherzog Johann von Österreich (1782-1859) erwähnt, der letztlich durch seine volkskundlichen Feldforschungen und volksnahe Lebensweise auch von diesem nicht unbedingt als Herrscherpersönlichkeit angesehen wurde.
Gesungen wird das „Gamserlschiaßns" hier von den Geschwistern Hochfellner aus Bad Mitterndorf. Viele ihrer Lieder haben sie von ihren Eltern erlernt. Eine Besonderheit sind ihre einmalig interpretierten Jodler.
Noten Dås Gamserlschiaßn is mei Freid
Noten „Steig i ins Gamsgebirg auf"
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Der 1839 als Sohn eines Bergbauern in Bad Goisern geborene Josef Reisenbichler, alias „Singender Wölfl", gilt als der Autor dieses Liedtextes, möglicherweise auch jener der Melodie. Er begann erst spät seine Gedichte aufzuschreiben, begleitete sich dann selbst auf der Gitarre und brachte seine Gesänge in Gasthäusern oder auf der Rockaroas - so nennt man die Zusammenkunft zur Arbeit in den Stuben der Bauern - vor. Später begleiteten ihn auch seine Söhne Josef und Christian auf der Zither. Über Reisenbichlers Singgewohnheiten wird berichtet: „Er besang in seinen selbstgemachten, langen, durch Rezitative unterbrochenen Liedern das Leben der Bergbauern und geißelte die damaligen Zustände mit zum Teil beißendem Spott, weshalb er im ganzen „Beriger Riedl" (Steuergemeinde Lasern/Bad Goisern) gefürchtet war."
Veröffentlicht wurden seine Lieder 1906 von dem niederösterreichischen Volksliedforscher Karl Kronfuß, der eine Sammlung von erzählenden, beschreibenden und satirischen Gelegenheitsdichtungen herausgab. Kronfuß verdankt die Gedichtesammlung seinem Vetter Felix Groß, den wiederum Obertrauner Freunde auf Josef Reisenbichler aufmerksam machten und der beim Besuch des Dichters die Gelegenheit hatte, einige dieser Lieder zu hören. Auch Wannst in Fink hörst, findet sich unter diesen Gedichten.
Gegenwärtig werden Reisenbichlers Lieder kaum mehr gesungen.
Hier singt der Goiserer Viergesang (Fritz Hillbrand, Sepp und Willi Winterauer sowie Lois Neuper), der das Lied 1991 für ihre Jubiläums-CD „25 Jahre Goiserer Viergesang" (Bschoad 46-301) eingespielt hat.
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Dieses Stück ist in der Volksmusik als Landler, Jodler und Lied bekannt. Der im Bild zu sehende Sebastian Hörhager (Harmonika) spielte es gemeinsam mit seiner Klassenkollegin Christina Rahm (Harfe) im Schuljahr 2007/2008 im Rahmen des durchgeführten „Mit allen Sinnen“ Projektes „Unser musikalisches Dorfleben“. Er selbst bezeichnete das Stück als „Tuxer Landler“. Als „Der Triapla ho“ ist dieses Stück jedoch bereits in Franz Friedrich Kohls „Echten Tiroler Liedern“ von 1913/15 zu finden und war bereits zu diesem Zeitpunkt, also vor 100 Jahren, in Tirol und im deutschen Alpenraum verbreitet. So ist es auch unter dem Titel „Holzknecht-Jodler“ im Waldviertel oder als „Der Sensenwetzer“ in Vorarlberg bekannt. Der Jodler dient auch dem hier zu hörenden Lied „Diandl, geh eina!“ als Melodie.
Auf der Tonaufnahme, die aus der Sammlung Alfred Quellmalz aus dem Jahr 1941 stammt, singt Marianne Weiß aus Latsch in Südtirol. In den Jahren 1940-1942 wurde, im Zuge einer zwischen Adolf Hitler und Benito Mussolini vereinbarten Umsiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols (als "Südtiroler Option" bezeichnet), eine umfassende und einzigartige volkskundliche Feldforschung durchgeführt. Alfred Quellmalz wurden die Erforschung und Dokumentation im Bereich Volksmusik, Lied und Tanz übertragen, aus der Tonmaterial mit rund 1.700 Volksliedern, rund 650 Instrumentalmusikaufnahmen und rund 90 Sprechaufnahmen hervorging. Seit den 1980ern hat eine Aufarbeitung und Kontextualisierung dieser Feldforschung eingesetzt, angesichts der denkwürdigen politsch-ideologischen Motivation und der Nutzung für die nationalsozialistische Volkstumspflege.
Literatur Sammlung Quellmalz (1940-42)
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Bei diesem Lied handelt es sich um ein alemannisches Volkslied das zur Gattung der Bettlerlieder zählt. Neben seiner Bekanntheit im alemannisch-sprachigen Raum erfreut es sich großer Beliebtheit in ganz Österreich, vor allem in Vorarlberg, das der Sprachgruppe der alemannischen Dialekte angehört.
Der Verfasser des Liedes ist unbekannt. Veröffentlicht wurde es bereits 1908 im Zupfgeigenhansl durch Hans Breuer. Als Mitglied der Wandervogelbewegung sammelte er auf gemeinsamen Fahrten Volkslieder, die infolge im Liederbuch publiziert und durch die Verwendung in der Bewegung weite Verbreitung erlangten. Die romantisierende, der Natur zugewandte, Jugendbewegung wies damals auch deutschnationale Züge auf. Singen, Musizieren und Tanzen zählten zu den wesentlichen Elementen ihrer Freizeitgestaltung. Vor allem das deutsche Volkslied erfuhr eine besondere Aufwertung.
Noch stärker jedoch wurden das Volkslied und die gesamte Volkskultur von den Nationalsozialisten vereinnahmt und für ihre Zwecke instrumentalisiert, insbesondere sollte damit die Stärkung der Volksgemeinschaft vorangetrieben werden. Dieses Lied findet sich daher auch im 1942 publizierten Liederbuch „Hellau!“, im Kapitel „Heimatlieder“ wieder. Es sollte für die Soldaten an der Front eine emotionale Verbindung zu ihrer Heimat schaffen und den Kämpfergeist stärken, wie sich dem Vorwort entnehmen lässt: „So soll nun dies Buch viel Freude bereiten! Und Freude schafft wiederum Kraft. Diese seelische Kraft aber soll mithelfen, unserem kämpfenden Volke den Endsieg zu erringen.“
Interessanterweise taucht das Lied in einer ideologisch ganz anders ausgerichteten Jugendbewegung der 1968er auf. 1975 dichtete Walter Mossmann das Lied in ein Protestlied gegen den Bau diverser Atomkraftwerke im Raum Basel, Südbaden und dem Elsass um. Es wurde im Liederbuch „Anderi Lieder. Von den geringen Leuten ihren Legenden und Träumen, ihrer Not und ihren Aufständen.“ publiziert.
Ganz im Gegensatz zu den ausgrenzenden und völkischen Weltanschauungen des Nationalsozialismus wurde das Bettellied 2011 im Rahmen eines „Mit allen Sinnen“ - Schulprojektes „Was koscht des Kind ... auf den Spuren der Schwabenkinder“ von der Mittelschule Götzis (Vorarlberg) aufgegriffen (im Bild zu sehen). Das Projekt richtete sich gegen Armut und soziale Ausgrenzung, in Vergangenheit und Gegenwart.
Noch heute ist das Lied in vielen Schulliederbüchern vertreten, um diese beiden Themen im Schulunterricht zu thematisieren. Hier singt daher der Viergesang der Hauptschule Egg im Bregenzerwald.
Literatur Jugendbewegung und Wandervogel
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Dieser Jodler ist in vielerlei Varianten und unter vielerlei Namen bekannt: als „Hätt i di, håb i di“, „He i ti“, als „Hålterbua Jodler“ oder auch als „Hålt’ s Maul“. In einer Aufzeichnung von 1909 in Obdach in der Steiermark wird er als „Echojodler“ bezeichnet, was die akustische Wahrnehmung sehr treffend wiedergibt: Die 2. Stimme folgt prompt nach dem Starten der 1. Stimme, weswegen der Jodler auch als „Nåcheinånd“ bezeichnet wird. Im hier vorliegenden Notensatz aus dem 2011 vom Steirischen Volksliedwerk herausgegebenen „123 Jodler und Juchzer“ erscheint eine 3. Stimme mit dem etwas rauem Ausruf „Hålt’ s Maul, sei still, geh hoam, wånn i will!“. Josef Pommer (1845-1918) zeichnete den Jodler bereits um 1880 in Landl und danach in weiteren Gegenden der Steiermark auf. Er veröffentlichte ihn 1893 in „252 Jodler und Juchezer“ und 1902 in „444 Jodler und Juchezer aus Steiermark und dem steirisch-österreichischen Grenzgebiete“.
Dieser Jodler erfreut sich im ganzen alpenländischen Raum großer Beliebtheit und wurde im Rahmen einer Feldforschung im Bregenzer Wald am 26.10.1976 in Großdorf bei Egg aufgenommen. Unter den Ausführenden befanden sich Edwin Waldner, Jodok Schneider, Paul Fetz, Olga Troy, Zita Jochum, Elisabeth Hammerer, Emanuel Helbok.
In Vorarlberg wird mit dem Schulprojekt „Jodeln echt cool“ wieder verstärkt die Tradition des Jodelns an eine junge Generation vermittelt, wie auch hier im Bild zu sehen (Kinder der VS Doreen mit der Jodel-Expertin Evelyn Fink-Mennel). Dabei kommen der „Hett i di“ und viele andere Jodler in den Jodelworkshops vor. Die Kinder benutzen zur Klangverstärkung einen Milchtrichter aus Holz, deren Verwendung in der Volksmusik der Schweiz zu finden ist. Demnach verwendete der Senner auf der Alm den Trichter als Verstärker für seinen Betruf, mit dem er allabendlich um den Schutz vor Gefahren für die Nacht bat. Auch heute noch gibt es Kantone in der Schweiz, wo das Alpsegenrufen Tradition hat.
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Als Grundlage dieses Tanzliederquodlibets dienten dem Komponisten Lorenz Maierhofer ein Jodler, ein Lied und ein Tanz, die im alpenländischen Raum weit verbreitet und beliebt sind. Das Lied kann sowohl als Kanon als auch instrumental ausgeführt werden. Die 1. Stimme setzt sich aus Motiven der Ennstaler Polka zusammen, die 2. Stimme nach dem Volkslied „Hintn bei der Stådltür“ und die 3. Stimme nach dem Admonter Echojodler. Diese Komposition jüngeren Ursprungs erschien erstmals 1988 in der Reihe „Volksmusik aus der Steiermark“ in der Ausgabe „Jåhr und Tag, Neue Lieder aus der Steiermark“ von Lorenz Maierhofer im Verlag Doblinger.
Im Rahmen eines 2007 durchgeführten Schulprojektes „Back to the roots – alpenländische Volksmusik und afrikanische Rhythmen“ wurde dieses Lied von den mitwirkenden SchülerInnen der Musikhauptschule Dr. Theodor Körner II / St. Pölten einstudiert und auf der CD „Wir für Afrika“, die noch andere verschiedenste afrikanische Lieder und Spirituals enthält, publiziert
Tonbeispiel Admonter Echojodler
Tonbeispiel Hintn bei der Stodltür
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Dieses Stück ist in der Volksmusik als Landler, Jodler und Lied bekannt. Der im Bild zu sehende Sebastian Hörhager (Harmonika) spielte es gemeinsam mit seiner Klassenkollegin Christina Rahm (Harfe) im Schuljahr 2007/2008 im Rahmen des durchgeführten „Mit allen Sinnen“ Projektes „Unser musikalisches Dorfleben“. Er selbst bezeichnete das Stück als „Tuxer Landler“. Als „Der Triapla ho“ ist dieses Stück jedoch bereits in Franz Friedrich Kohls „Echten Tiroler Liedern“ von 1913/15 zu finden und war bereits zu diesem Zeitpunkt, also vor 100 Jahren, in Tirol und im deutschen Alpenraum verbreitet. So ist es auch unter dem Titel „Holzknecht-Jodler“ im Waldviertel oder als „Der Sensenwetzer“ in Vorarlberg bekannt. Der Jodler dient auch dem hier zu hörendem Lied „Diandl, geh eina!“ als Melodie.
Auf der zu hörenden Tonaufnahme singt Marianne Weiß aus Latsch in Südtirol, das aus der Sammlung Alfred Quellmalz aus dem Jahr 1941 stammt. In den Jahren 1940-1942 wurde im Zuge einer zwischen Adolf Hitler und Benito Mussolini vereinbarten Umsiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols, als Südtiroler Option bezeichnet, eine umfassende und einzigartige volkskundliche Feldforschung durchgeführt. Alfred Quellmalz wurde die Erforschung und Dokumentation im Bereich Volksmusik, Lied und Tanz übertragen, aus der Tonmaterial mit rund 1.700 Volksliedern, rund 650 Instrumentalmusikaufnahmen und rund 90 Sprechaufnahmen hervorging. Seit den 1980ern hat eine Aufarbeitung und Kontextualisierung dieser Feldforschung eingesetzt, angesichts der denkwürdigen politsch-ideologischen Motivation und der Nutzung für die nationalsozialistische Volkstumspflege.














